Folgen mangelnder Vereinbarkeit für Unternehmen

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für viele Beschäftigte schwierig zu bewältigen. Die Folge aus einer mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind neben einer geringeren Produktivität auch Arbeitsausfälle in Form von vermehrten Krankheitstagen. Diese Faktoren können ein wirtschaftliches Risiko für das Unternehmen darstellen. Während 30% der betroffenen Angehörigen die Arbeitszeit reduzieren, gibt sogar jeder 6. aufgrund fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Familie den Beruf auf. Eine Studie der Universität Münster und Steinbeis-Hochschule Berlin hat sich mit den Folgekosten mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Pflege befasst und herausbekommen, dass Präsentismus mit 47,3% den größten Anteil an den gesamten Folgekosten einnimmt. Insgesamt liegt die durchschnittliche Höhe betrieblicher Folgekosten pro Beschäftigtem mit Pflege- respektiven Hilfeaufgaben bei 14.154,20 Euro jährlich.
Eine Unternehmensbefragung vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) aus dem Jahr 2018 hat untersucht, inwieweit Unternehmen angesichts der steigenden Anzahl Beschäftigter mit Pflegeaufgaben Unterstützungsangebote für Ihre Mitarbeiter zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bereitstellen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass 58 % der befragten Unternehmen bislang keine entsprechenden Angebote für Mitarbeiter zur Verfügung stellen.
Hier erhalten Sie die Studie der Universität Münster und Steinbeis-Hochschule Berlin im PDF-Format pdf (5)
Hier erhalten Sie die Unternehmensbefragung des ZQP im PDF-Format pdf (5)

Ursachen für Vereinbarkeitsprobleme

Fachthema Vereinbarkeit Beruf und Familie Folgen Vereinbarkeitskonflikt

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist jeder 10 te Deutsche heutzutage von einem Pflegefall in der Familie betroffen. Viele stehen mitten im Berufsleben und müssen sich von jetzt auf gleich im komplexen Pflegesystem zurechtfinden und die Pflege für Ihre Angehörigen organisieren. Ein Großteil der Pflegebedürftigen wird in der Häuslichkeit gepflegt. Keine leichte Aufgabe, beides unter einen Hut zu bringen. Vor allem ist Vieles nicht planbar und Krankheitsfälle oder eine Verschlechterung des Pflegezustandes treten in der Regel plötzlich ein. Stehen dem gegenüber keine flexiblen Arbeitsbedingungen ist es quasi unmöglich, Berufsleben und Pflege unter einen Hut zu bringen. Ähnlich verhält es sich beim Thema Kinderbetreuung. Als Eltern muss man auch immer wieder flexibel auf Ereignisse reagieren können. Zudem gibt es lange Ferienzeiten, die mit dem Urlaubsanspruch der Eltern nicht vereinbar sind. Ganz schwierig wird es, wenn man sich sowohl um Kinder als auch um die Pflege der eigenen Eltern kümmern muss. All diese genannten Dinge können Stressreaktionen bei den Betroffenen auslösen. Ein funktionierendes Netzwerk sowie Verständnis und Unterstützungsangebote durch den Arbeitgeber können verhindern, dass die Doppelbelastung für die Betroffenen zu viel wird und sie möglicherweise sogar aus dem Berufsleben austreten müssen.

Flexible Arbeitsbedingungen als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Familiäre Verpflichtungen sind nicht immer so zu timen, dass sie erst nach der regulären Arbeitszeit erledigt werden können. Gerade Angelegenheiten, die einen hohen organisatorischen Aufwand erfordern, sind damit gemeint. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen flexible Arbeitsbedingungen daher eine wichtige Rolle. Flexible Arbeitsbedingungen beinhalten Arbeitszeitkonten, Gleit- und Teilzeitmodelle, Heim- beziehungsweise Telearbeit sowie auch Jobsharingmodelle. Mit Hilfe flexibler Arbeitsbedingungen haben Beschäftigte die Möglichkeit, die Arbeitszeit besser an familiäre Erfordernisse anzupassen. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollten Beschäftigte zusätzlich die Möglichkeit haben, in Notfällen kurzfristig von der Arbeit fern bleiben zu können. Ein Pflegealltag als Beispiel lässt sich nämlich in der Regel nicht genau planen, so dass auch mal kurzfristig mit Änderungen gerechnet werden muss

Unterstützungsangebote als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Fachthema Vereinbarkeit Beruf und Familie Folgen Vereinbarkeitskonflikt

Viele familiäre Angelegenheiten sind mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Sei es die Suche nach Kinderbetreuungseinrichtungen, Ferienbetreuungsangeboten oder für die eigenen Eltern die Suche nach entsprechenden Pflegeangeboten. Innerhalb kürzester Zeit müssen dann wichtige und weitreichende Entscheidungen getroffen werden, die die Angehörigen häufig überfordern. Die Folge ist dann häufig eine abnehmende Leistungsfähigkeit. Für eine erfolgreiche Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt ein entsprechendes Unterstützungsangebot mit professionellen Beratungskräften eine geeignete Lösung dar. Professionelle Beratungskräfte sind in der Lage, sich in die Situation der Angehörigen hineinzuversetzen. Sie können den Angehörigen die wichtigsten Informationen, die man in einer solchen Situation, berücksichtigen muss, vermitteln und eine wertvolle Unterstützung bei der Suche nach einer passenden Lösung bieten. Ein gutes Unterstützungsangebot zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht nur eine „einfache Beratung“ darstellt und Informationen weitergibt, sondern vielmehr dadurch, dass es Aufgaben der Angehörigen abnimmt und so eine Entlastung herbeiführt.

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben stellt viele pflegende Angehörige vor eine große Herausforderung. Ein Pflegefall tritt in der Regel plötzlich ein, als Angehöriger ist man selber emotional betroffen und zudem mit einer Vielfalt an organisatorischen Aufgaben konfrontiert. Vollmachten müssen erteilt, Anträge müssen gestellt, die Häuslichkeit muss pflegegerecht gestaltet oder ein Pflegeplatz muss gesucht werden und hinzukommen noch viele weitere Aufgaben. Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung, die Pflegezeit und die Familienpflegezeit sind Möglichkeiten, eine Zeitlang beruflich kürzer zu treten, um sich um einen pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern. Zudem gibt es Möglichkeiten, sich bei der Pflege, z.B. durch einen ambulanten Pflegedienst, unterstützen zu lassen. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass man sich als pflegender Angehöriger immer mal wieder Auszeiten von der Pflege nimmt, um Energie zu tanken. In unserem Informationsmaterial haben wir die wichtigsten Punkte zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben für Sie zusammengestellt.
Das Informationsmaterial „Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben“ können Sie hier im PDF-Format herunterladen. pdf (5)
Auch Arbeitgeber können eine Menge dafür tun, Ihre Beschäftigten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben zu unterstützen. Ein Leitfaden für Arbeitgeber zeigt mögliche Handlungsfelder für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben auf.
Den Arbeitgeber-Leitfaden „Handlungsfelder für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflegeaufgaben“ können Sie hier im PDF-Format herunterladen. pdf (5)

Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Zeiten der Corona-Pandemie

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Zeiten der Corona-Pandemie besonders herausfordernd. Der beruflichen Tätigkeit nachzugehen und gleichzeitig für die Kinderbetreuung zuständig zu sein ist gerade mit kleinen Kindern sehr schwierig. Wichtig ist daher, dass sich die Partner die Betreuungsarbeit gerecht aufzuteilen. So zum Beispiel kann der eine Elternteil vormittags für die Kinderbetreuung zuständig sein und der andere Elternteil am Nachmittag. Für Alleinerziehende gibt es gesonderte Informationen unter: https://www.vamv-berlin.de
Hilfreiche Tipps und weiterführende Links zum Thema haben wir für Sie als Informationsmaterial zusammengestellt. Das Informationsmaterial können Sie hier im PDF-Format herunterladen. pdf (5)

Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Digitalisierung

Während der Coronavirus-Pandemie haben viele Arbeitgeber die Möglichkeit für Ihre Beschäftigten geschaffen, im Homeoffice zu arbeiten. Ein Großteil der Unternehmen war gut darauf vorbereitet, so dass die meisten Beschäftigten mit der Situation im Homeoffice zufrieden sind. Einer repräsentativen Umfrage des Bayrischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation (Hier gelangen Sie zur Umfrage) zufolge arbeiten aufgrund der Coronavirus-Pandemie 43% der Beschäftigten zeitweise im Homeoffice. Vor der Coronavirus-Pandemie waren es noch 35%. Zudem hat auch die Häufigkeit im Homeoffice zu arbeiten zugenommen. Die meisten Beschäftigten befürworten die Arbeit im Homeoffice, 75% der Neulinge im Homemeoffice gegenüber 83 %, die schon vor der Corona-Krise im Homeoffice gearbeitet haben. Auch auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat die Digitalisierung einen großen Einfluss. Die Zeiten für Fahrtwege können eingespart und die Arbeit kann so flexibler und an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Mütter und Väter können durch die Homeofficemöglichkeit die Familienarbeit gerechter aufzuteilen. Die Unternehmen sollten sich auch für die Zukunft Modelle überlegen, mobiles Arbeiten und Homeofficemöglichkeiten weiter auszuweiten.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Barcleys Bank PLC

Anna Schröder, Health Manager / Human Resources bei Barclaycard Barclays Bank PLC:
„Wir bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, das nimmt dem Ganzen schon eine ganze Menge an Druck ab. Das heißt, die Mitarbeiter haben keine bestimmte Vorgabe, wann sie hier vor Ort sein müssen und können sich ihren Tagesablauf so gestalten wie es für sie am besten ist. Außerdem bieten wir der Vielzahl unserer Mitarbeitern die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten also auch da gibt es die Möglichkeit, den Aspekt Beruf und Familie bestmöglich zu vereinen ist und darüber hinaus haben wir noch Beratungsangebote im Haus, die das ganze Thema Kinderbetreuung und auch Eldercare berücksichtigen.“

 

Führungskräfte als Vorbilder für gelebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Führungskräfte bilden das Bindeglied zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten. Sie agieren als Vorbild und vermitteln Strategie, Leitbild und Werte des Unternehmens. Neben der offenen Kommunikation ist die Sensibilisierung der Beschäftigten ein wichtiger Baustein der Thematisierung von Beruf und Familie. Durch interne oder externe Trainings werden Führungskräfte geschult, um Warnsignale ihrer Beschäftigten zu erkennen und durch fachliches Wissen auf einen Vereinbarkeitskonflikt reagieren zu können. Es empfiehlt sich die Integration der Thematik Beruf und Familie in die regelmäßigen Mitarbeitergespräche, um zwischen Beschäftigten und Führungskraft einen regelmäßigen und offenen Dialog zu fördern und Rahmenbedingungen festzulegen. Aber auch für Führungskräfte selbst ist es notwendig das Thema Beruf und Familie verbindlich in Personalbeurteilung und Weiterentwicklung zu integrieren, denn die Führungskultur eines Unternehmens trägt maßgeblich dazu bei, ob das Thema Beruf und Familie von Beschäftigten akzeptiert und gelebt wird.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei der DG HYP

Katharina Lindenbaum, Referentin Personal bei der DG HYP:
„Aus unserer Sicht spielen Führungskräfte eine enorm wichtige Rolle. Sie sind ganz klar Kulturträger in einem Unternehmen und verantwortlich dafür, dass sich Dinge ändern. Daher haben wir viel investiert, in Bewusstseinsbildung über die Benefits und Aufklärung darüber, weshalb wir uns in diesem Thema engagieren. Da können sich Führungskräfte erwehren aber es ist natürlich schon eine Veränderung, die durchzusetzen ist und da gilt es anzusetzen und auch die Führungskräfte mitzunehmen.“

Familienfreundliche Unternehmenskultur als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine familienfreundliche Unternehmenskultur eine wichtige Grundlage. Unter einer familienfreundlichen Unternehmenskultur ist eine Kultur zu verstehen, in der Verständnis, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein eine wichtige Rolle spielen. Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, in Personalgesprächen auch private Belange offen zu thematisieren. Ein wichtiger Bestandteil einer familienfreundlichen Unternehmenskultur sind zudem flexible Arbeitszeitmodelle, die individuelle Bedarfe der Mitarbeiter berücksichtigen. Mitarbeiter erhalten so die Möglichkeit, den Beruf und familiäre Verpflichtungen besser in Einklang zu bringen. Zudem können Dienstleister hilfreich sein, die z.B. bei der Suche nach Babysittern, Ferienbetreuungsangeboten oder auch beim Thema Pflege von Angehörigen Unterstützung bieten. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die transparente Kommunikation, damit alle Mitarbeiter die Angebote im Unternehmen kennen.

Familienfreundliche Maßnahmen in Betrieben zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Neben familienpolitischen Angeboten wie z.B. der Elternzeit können Betriebe Ihren Beschäftigten weitere familienfreundliche Maßnahmen für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Verfügung stellen. Der Anteil der Betriebe, die Ihren Beschäftigten familienfreundliche Maßnahmen anbieten, hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Er ist von 6% im Jahr 2002 auf 16% im Jahr 2016 angestiegen. Zudem lässt sich beobachten, dass Großbetriebe sich in der Regel stärker im Bereich Vereinbarkeit von Beruf und Familie engagieren, aber auch in Klein- und mittelständischen Betrieben zeigt sich insgesamt eine stärkere Auseinandersetzung mit Vereinbarkeitsfragen als noch vor 14 Jahren. Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unterteilt familienfreundliche Maßnahmen in vier Hauptbereiche ein. Diese sind:

  • 1. Betreuung von Kindern und Angehörigen,
  • 2. Elternzeit und Elternförderung,
  • 3. Arbeitszeit-flexibilisierung und Telearbeit, sowie
  • 4. Familienservices, z.B. Rechtsberatung und haushaltsnahe Dienstleistungen.

Am häufigsten werden betriebliche Angebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Elternzeit und Kinderbetreuungsangebote im Rahmen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie angeboten. Hier gelangen Sie zum Interview mit Frau Dr. Corinna Frodermann (Mitarbeiterin im Forschungsdatenzentrum der Bundesagentur für Arbeit im IAB und im Forschungsbereich „Panel Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ im IAB).

Weitere Informationen über:

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STIMMEN VON MITARBEITERN

„Endlich ein Partner an der Seite, der mir hilft, meine Rechte gegenüber der Pflegekasse auch durchzusetzen. Sie haben mir beim Widerspruchsverfahren bei der Durchsetzung der Pflegestufe mit Rat und Tat zur Seite gestanden.“

Lotte R., Düsseldorf

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