Vereinbarkeit von Beruf und Familie als wachsende Herausforderung

Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2015 in %

Das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist bereits heute aktuell, denn mittlerweile ist jeder 10. Deutsche von einem Pflegefall in der Familie betroffen. Der demographische Wandel führt dazu, dass der Anteil an älteren pflegebedürftigen Menschen stetig wächst, weshalb das Thema in den nächsten Jahren nochmals deutlich an Bedeutung zunehmen wird. Deshalb stehen bereits heute immer mehr Beschäftigte vor der Herausforderung, ihre Berufstätigkeit und die Pflege ihrer Angehörigen zu bewerkstelligen. Experten gehen davon aus, dass über drei Millionen Menschen in Deutschland von ihren Angehörigen versorgt werden, ohne dass diese eine Pflegebedürftigkeit im Sinne eines Pflegegrades haben. Das zeigt, dass die Doppelbelastung von Berufstätigkeit und Pflegeverantwortung deutlich früher, bereits mit der Informationsbeschaffung oder der Inanspruchnahme von Beratungsangeboten, beginnt. Nicht jeder Beschäftigte kann die Doppelbelastung von Beruf und Familie im gleichen Maß bewältigen. Viele pflegende Beschäftigte müssen ihre Arbeit reduzieren, um der Doppelbelastung standzuhalten und dennoch Geld zu verdienen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist aber nicht nur aus finanziellen Gründen notwendig. Die Ausübung des Berufes kann ebenso ein Ausgleich für die pflegenden Beschäftigten sein, da sie von den teils schwierigen Pflegesituationen ablenkt und sie für die Beschäftigten eine wichtige Konstante im Leben darstellt. Darüber hinaus können die Beschäftigten Anerkennung für ihre Leistung erhalten, die sie evtl. von ihren Angehörigen nicht bekommen. Auch der soziale Kontakt mit Kollegen/Innen kann eine festigende Säule darstellen.

Überlastung als Folge von fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Fachthema Vereinbarkeit Beruf und Familie Folgen Vereinbarkeitskonflikt

Die Doppelbeanspruchung bringt in vielen Fällen sowohl eine geringere Produktivität als auch Arbeitsausfälle in Form von vermehrten Krankheitstagen mit sich. Diese Faktoren können ein wirtschaftliches Risiko für das Unternehmen darstellen. Während 30% der betroffenen Angehörigen die Arbeitszeit reduzieren, gibt sogar jeder 6. aufgrund fehlender Vereinbarkeit den Beruf auf. Damit fallen Kosten der Personalbeschaffung an und wertvolles Humankapital geht verloren. Eine Studie der Universität Münster und Steinbeis-Hochschule Berlin zeigt, dass die durchschnittliche Höhe betrieblicher Folgekosten pro Beschäftigtem mit Pflege- respektive Hilfeaufgaben 14.154,20 Euro jährlich beträgt. Mit 47,3% zeigt Präsentismus den größten Anteil an den gesamten Folgekosten.
Was können Sie für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in Ihrem Unternehmen tun? Wir haben für Sie eine Arbeitgeber-Checkliste zum Thema Eldercare erarbeitet. Zum Download klicken Sie hier:

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als Tabuthema

Viele Arbeitgeber wissen nicht, wenn ihre Beschäftigten einen Pflegefall in der Familie haben und einer Doppelbelastung ausgesetzt sind. Während die Kinderbetreuung meist offen angesprochen wird, bleibt das Thema der pflegebedürftigen Angehörigen oft verschwiegen. Dabei unterscheidet sich die Pflege von Angehörigen hinsichtlich der Komplexität und Planbarkeit stark von der Kinderbetreuung. Eine Pflegebedürftigkeit kann plötzlich auftreten, während zeitgleich unklar ist, wie lange diese andauern wird. Es kann sich um wenige Wochen bis Monate oder gar Jahre erstrecken und sich im Laufe der Zeit um Art und Umfang stark verändern. Deshalb ist es wichtig, individuelle und flexible Maßnahmen für die Beschäftigten zu ermöglichen, die sich ggf. an einen veränderten Bedarf anpassen lassen. Was viele nicht wissen: Mehr als jeder dritte Beschäftigte, der sich um zu pflegende Angehörige kümmert, ist noch unter 44 Jahren alt. Das bedeutet, dass nicht nur ältere Beschäftigte mit diesem Thema konfrontiert sind und vor der Herausforderung stehen, die Doppelbelastung zu managen. Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Personen schränken ihre Arbeit ein oder geben sie ganz auf, wenn ein Pflegefall eintritt. Die übrigen reduzieren ihre Arbeitszeit kaum, unter anderem weil sie davon neben finanziellen Einbußen auch Nachteile für ihre Karriere und ihre Stellung im Unternehmen befürchten. Durch einen EAP-Anbieter kann durch individuelle Maßnahmen dem Betroffenen wirksam geholfen werden.

Bindung der Beschäftigten durch pflegesensible Unternehmenskultur

Für viele Beschäftigte ist bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers die Vereinbarkeit von Beruf und Familie genauso wichtig wie die Vergütung. Das heißt, dass einige Beschäftigte bewusst Vergütungseinbußen in Kauf nehmen, wenn dafür familienfreundliche Arbeitsbedingungen vorherrschen. Damit kann z.B. die flexible Arbeitszeitgestaltung gemeint sein. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wenn Arbeitgeber keine geeigneten Modelle oder Maßnahmen für die Vereinbarkeit einsetzen, sie ihre Beschäftigten verlieren können.
Positiv zu sehen ist, dass sich in jedem vierten Unternehmen nach eigener Angabe die Pflege und Betreuung eines Angehörigen nicht auf die Berufstätigkeit ausgewirkt hat. Das zeigt, dass durch vorangegangene Maßnahmen, die Beschäftigten gut informiert worden sind und erfolgreich Hilfe von Seiten des Arbeitgebers erhalten haben. Der Arbeitgeber muss für diese pflegesensiblen Arbeitsbedingungen nicht seine ganze Arbeitsorganisation ändern. Ein EAP-Anbieter, der speziell auf Pflege ausgerichtet ist, kann durch gezielte Maßnahmen die Doppelbeanspruchung erheblich reduzieren und die Betroffenen wirksam unterstützen. Das bedeutet z.B., dass Eldercare-Teilzeitmodelle im Team akzeptiert und betrieblich gefördert werden müssen, sodass Betroffene dieses Angebot auch in Anspruch nehmen. Dadurch arbeiten die Beschäftigten produktiver, fehlen seltener und haben die Sicherheit, dass die Versorgung der Angehörigen sichergestellt wird.
Eine Übersicht über die gesetzlichen Regelungen zu Pflegezeit und Familienpflegezeit finden Sie hier zum downloaden:

Fachthema Vereinbarkeit Beruf und Familie Unternehmenskultur

Vereinbarkeit als Kernelement einer erfolgreichen Personalpolitik

Begriffe wie lebensphasenorientierte Personalpolitik, betriebliches Gesundheitsmanagement und Work-Life-Balance sind Schlüsselbegriffe der Familienorientierung eines Unternehmens und gewinnen im Kontext des modernen Personalmanagements weiterhin an Bedeutung. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und somit die Balance zwischen Lebens- und Karriereplanung, ist ein wichtiger Bestandteil des Personalmanagements, welcher an der jeweiligen Unternehmensstrategie und an ihrem Leitbild ausgerichtet ist. Sie wird zur Aufgabe der Unternehmensleitung und findet Anklang auf allen drei Ebenen der strategischen Personalplanung wie beispielsweise im Führungskräftetraining für eine gesundheitsbewusste Führung, im „employer branding“ sowie bei Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Alle Handlungsfelder des modernen Personalmanagements dienen dem Erfolg und der Erreichung formulierter Ziele eines Unternehmens. Beschäftigte, die sich in einem persönlichen Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie befinden, sind ohne Unterstützung durch den Arbeitgeber nur eingeschränkt in der Lage hierzu aktiv beizutragen und ihre volle Arbeitsmotivation und –Leistung zu erbringen.

So unterstützen Unternehmen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Anna Schröder, Health Manager / Human Resources bei Barclaycard Barclays Bank PLC:

„Wir bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, das nimmt dem Ganzen schon eine ganze Menge an Druck ab. Das heißt, die Mitarbeiter haben keine bestimmte Vorgabe, wann sie hier vor Ort sein müssen und können sich ihren Tagesablauf so gestalten wie es für sie am besten ist. Außerdem bieten wir der Vielzahl unserer Mitarbeitern die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten also auch da gibt es die Möglichkeit, den Aspekt Beruf und Familie bestmöglich zu vereinen ist und darüber hinaus haben wir noch Beratungsangebote im Haus, die das ganze Thema Kinderbetreuung und auch Eldercare berücksichtigen.“


Fachthema Vereinbarkeit Familie und Beruf - Unterschiede in der Wahrnehmung

Maßnahmen für Arbeitgeber zur Vermeidung von Differenzen in der Wahrnehmung

Differenzen zum Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwischen der Einschätzung des Arbeitgebers und seinen Beschäftigten gibt es häufig. Wir geben Ihnen Tipps, wie solche Unterschiede in der Wahrnehmung vermieden werden können:

  • Führen Sie regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durch
  • Prüfen Sie Ursachen für mögliche Wahrnehmungsdifferenzen
  • Prüfen Sie die bisherige Kommunikation zum Thema
  • Leben Sie selbst Vereinbarkeit – Sie fungieren als Vorbild!

Grundsatz ist immer: Je offener und authentischer eine Maßnahme kommuniziert und gelebt wird und von Vorgesetzten in Anspruch genommen werden, desto eher wird sie ihre volle Wirkung entfalten können.

Die Rolle der Führungskräfte beim Thema Beruf und Familie

Katharina Lindenbaum, Referentin Personal bei der DG HYP:

„Aus unserer Sicht spielen Führungskräfte eine enorm wichtige Rolle. Sie sind ganz klar Kulturträger in einem Unternehmen und verantwortlich dafür, dass sich Dinge ändern. Daher haben wir viel investiert, in Bewusstseinsbildung über die Benefits und Aufklärung darüber, weshalb wir uns in diesem Thema engagieren. Da können sich Führungskräfte erwehren aber es ist natürlich schon eine Veränderung, die durchzusetzen ist und da gilt es anzusetzen und auch die Führungskräfte mitzunehmen.“

Führungskräfte als Vorbilder für gelebte Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Fachthema Vereinbarkeit Familie und Beruf - Führungskräfte als Bindeglied

Führungskräfte bilden das Bindeglied zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten. Sie agieren als Vorbild und vermitteln Strategie, Leitbild und Werte des Unternehmens. Neben der offenen Kommunikation ist die Sensibilisierung der Beschäftigten ein wichtiger Baustein der Thematisierung von Beruf und Familie. Durch interne oder externe Trainings werden Führungskräfte geschult, um Warnsignale ihrer Beschäftigten zu erkennen und durch fachliches Wissen auf einen Vereinbarkeitskonflikt reagieren zu können. Es empfiehlt sich die Integration der Thematik Beruf und Familie in die regelmäßigen Mitarbeitergespräche, um zwischen Beschäftigten und Führungskraft einen regelmäßigen und offenen Dialog zu fördern und Rahmenbedingungen festzulegen. Aber auch für Führungskräfte selbst ist es notwendig das Thema Beruf und Familie verbindlich in Personalbeurteilung und Weiterentwicklung zu integrieren, denn die Führungskultur eines Unternehmens trägt maßgeblich dazu bei, ob das Thema Beruf und Familie von Beschäftigten akzeptiert und gelebt wird. Informationen im praktischen Download:

Weitere Informationen über:

Vereinbarkeit
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STIMMEN VON MITARBEITERN

„Auf diesem Wege möchte ich mich noch mal für die schnelle und fachkundige Hilfe bedanken. Der Pflegeplatz entspricht nun genau unseren Vorstellungen und unsere Mutter fühlt sich dort sehr wohl. Herzliche Grüße aus Berlin.“

Gabriele S., Berlin

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