Folgen mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist für viele Beschäftigte schwierig zu bewältigen. Aus der Überforderung heraus können sich viele Beschäftigte nicht mehr ausreichend auf Ihre Arbeitstätigkeit konzentrieren. Die Folge aus einer mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sind neben einer geringeren Produktivität auch Arbeitsausfälle in Form von vermehrten Krankheitstagen. Diese Faktoren können ein wirtschaftliches Risiko für das Unternehmen darstellen. Während 30% der betroffenen Angehörigen die Arbeitszeit reduzieren, gibt sogar jeder 6. aufgrund fehlender Vereinbarkeit von Beruf und Pflege den Beruf auf. Eine Studie der Universität Münster und Steinbeis-Hochschule Berlin hat sich mit den Folgekosten mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Pflege befasst und herausbekommen, dass Präsentismus mit 47,3% den größten Anteil an den gesamten Folgekosten einnimmt. Insgesamt liegt die durchschnittliche Höhe betrieblicher Folgekosten pro Beschäftigtem mit Pflege- respektive Hilfeaufgaben bei 14.154,20 Euro jährlich.

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als Tabuthema

Fachthema Vereinbarkeit Beruf und Familie Folgen Vereinbarkeitskonflikt

Viele Arbeitgeber wissen nicht, wenn ihre Beschäftigten einen Pflegefall in der Familie haben und einer Doppelbelastung ausgesetzt sind. Während die Kinderbetreuung meist offen angesprochen wird, bleibt das Thema der pflegebedürftigen Angehörigen oft verschwiegen. Dabei unterscheidet sich die Pflege von Angehörigen hinsichtlich der Komplexität und Planbarkeit stark von der Kinderbetreuung. Eine Pflegebedürftigkeit kann plötzlich auftreten, während zeitgleich unklar ist, wie lange diese andauern wird. Es kann sich um wenige Wochen bis Monate oder gar Jahre erstrecken und sich im Laufe der Zeit um Art und Umfang stark verändern. Deshalb ist es für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wichtig, individuelle und flexible Maßnahmen für die Beschäftigten zu ermöglichen, die sich ggf. an einen veränderten Bedarf anpassen lassen. Was viele nicht wissen: Mehr als jeder dritte Beschäftigte, der sich um zu pflegende Angehörige kümmert, ist noch unter 44 Jahren alt. Das bedeutet, dass nicht nur ältere Beschäftigte mit diesem Thema konfrontiert sind und vor der Herausforderung stehen, die Doppelbelastung zu managen. Knapp die Hälfte der erwerbstätigen Personen schränken ihre Arbeit ein oder geben sie ganz auf, wenn ein Pflegefall eintritt. Die übrigen reduzieren ihre Arbeitszeit kaum, unter anderem weil sie davon neben finanziellen Einbußen auch Nachteile für ihre Karriere und ihre Stellung im Unternehmen befürchten.

Pflegesensible Unternehmenskultur als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist eine pflegesensible Unternehmenskultur eine wichtige Grundlage. Unter einer pflegesensiblen Unternehmenskultur ist eine Kultur zu verstehen, in der Verständnis, Offenheit und Verantwortungsbewusstsein eine wichtige Rolle spielen. Jeder Mitarbeiter sollte sich trauen können, auch unangenehme Dinge anzusprechen und dadurch keine negativen Konsequenzen befürchten zu müssen. Die pflegesensible Unternehmenskultur als Baustein für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sollte insbesondere auch von den Führungskräften vorgelebt werden. Das Thema Pflege ist ein sehr sensibles Thema. Anders als Kinder kriegen, teilt man ein solches Ereignis nicht gerne mit seinen Kollegen. Bei Thema Pflege ist es aber auch wichtig, darüber zu sprechen, damit die Belastungen nicht zu groß werden. Kollegen, die einen Pflegefall in der Familie haben, sollten in dieser Phase beruflich entlastet und unterstützt werden und z.B. nicht für große Projekttätigkeiten eingebunden werden. Kollegen können sich hier gegenseitig bei der Arbeitsverteilung unterstützen. Gegenseitiges Vertrauen ist dabei ein wichtiger Grundstein. Wichtig ist auch ein Bewusstsein im Unternehmen zu integrieren, dass Jeder, egal ob jung oder alt, von einem Pflegfall in der Familie betroffen sein kann. Dem Thema Pflege mit einer verantwortungsbewussten Haltung gegenüberzutreten ist grundlegend für eine pflegesensible Unternehmenskultur und damit für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.

Flexible Arbeitsbedingungen als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Ist man von einer Pflegesituation in der Familie betroffen, ist es nicht immer absehbar, wie viel Zeit entsprechende Organisationen beanspruchen. Gerade auch in der Anfangszeit, wenn ein Pflegefall eintritt, stehen die Betroffenen vor einem hohen Organisationsaufwand. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege spielen flexible Arbeitsbedingungen daher eine wichtige Rolle. Flexible Arbeitsbedingungen beinhalten Arbeitszeitkonten, Gleit- und Teilzeitmodelle, Heim- beziehungsweise Telearbeit sowie auch Jobsharingmodelle. Mit Hilfe flexibler Arbeitsbedingungen haben Beschäftigte die Möglichkeit, die Arbeitszeit besser an die Erfordernisse der Pflege anzupassen. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sollten Beschäftigte mit Pflegeaufgaben zusätzlich die Möglichkeit haben, in Notfällen kurzfristig von der Arbeit fern bleiben zu können. Ein Pflegealltag lässt sich nämlich in der Regel nicht genau planen, so dass auch mal kurzfristig mit Änderungen gerechnet werden muss.

Unterstützungsangebote als Maßnahme für eine Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Ein Pflegefall in der Familie tritt in der Regel ganz plötzlich ein und trifft die Angehörigen unerwartet. Innerhalb kürzester Zeit müssen dann wichtige und weitreichende Entscheidungen getroffen werden, die die Angehörigen häufig überfordern. Die Folge ist dann häufig eine abnehmende Leistungsfähigkeit. Für eine erfolgreiche Vereinbarkeit von Beruf und Pflege stellt ein entsprechendes Unterstützungsangebot mit professionellen Pflegeberatern eine geeignete Lösung dar. Professionelle Pflegeberater sind in der Lage, sich in die Situation der Angehörigen hineinzuversetzen. Sie können den Angehörigen die wichtigsten Informationen, die man in einer solchen Situation, berücksichtigen muss, vermitteln und eine wertvolle Unterstützung bei der Suche nach einem passenden Pflegearrangement bieten. Ein gutes Unterstützungsangebot zeichnet sich dadurch aus, dass es nicht nur eine „einfache Beratung“ darstellt und Informationen weitergibt, sondern vielmehr dadurch, dass es Aufgaben der Angehörigen abnimmt und so eine Entlastung herbeiführt.

Praxisbeispiel für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Anna Schröder, Health Manager / Human Resources bei Barclaycard Barclays Bank PLC:
„Wir bieten unseren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten, das nimmt dem Ganzen schon eine ganze Menge an Druck ab. Das heißt, die Mitarbeiter haben keine bestimmte Vorgabe, wann sie hier vor Ort sein müssen und können sich ihren Tagesablauf so gestalten wie es für sie am besten ist. Außerdem bieten wir der Vielzahl unserer Mitarbeitern die Möglichkeit im Home Office zu arbeiten also auch da gibt es die Möglichkeit, den Aspekt Beruf und Familie bestmöglich zu vereinen ist und darüber hinaus haben wir noch Beratungsangebote im Haus, die das ganze Thema Kinderbetreuung und auch Eldercare berücksichtigen.“

 

Führungskräfte als Vorbilder für gelebte Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Führungskräfte bilden das Bindeglied zwischen Unternehmensleitung und Beschäftigten. Sie agieren als Vorbild und vermitteln Strategie, Leitbild und Werte des Unternehmens. Neben der offenen Kommunikation ist die Sensibilisierung der Beschäftigten ein wichtiger Baustein der Thematisierung von Beruf und Pflege. Durch interne oder externe Trainings werden Führungskräfte geschult, um Warnsignale ihrer Beschäftigten zu erkennen und durch fachliches Wissen auf einen Vereinbarkeitskonflikt reagieren zu können. Es empfiehlt sich die Integration der Thematik Beruf und Pflege in die regelmäßigen Mitarbeitergespräche, um zwischen Beschäftigten und Führungskraft einen regelmäßigen und offenen Dialog zu fördern und Rahmenbedingungen festzulegen. Aber auch für Führungskräfte selbst ist es notwendig das Thema Beruf und Pflege verbindlich in Personalbeurteilung und Weiterentwicklung zu integrieren, denn die Führungskultur eines Unternehmens trägt maßgeblich dazu bei, ob das Thema Beruf und Pflege von Beschäftigten akzeptiert und gelebt wird.

Praxisbeispiel für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Katharina Lindenbaum, Referentin Personal bei der DG HYP:
„Aus unserer Sicht spielen Führungskräfte eine enorm wichtige Rolle. Sie sind ganz klar Kulturträger in einem Unternehmen und verantwortlich dafür, dass sich Dinge ändern. Daher haben wir viel investiert, in Bewusstseinsbildung über die Benefits und Aufklärung darüber, weshalb wir uns in diesem Thema engagieren. Da können sich Führungskräfte erwehren aber es ist natürlich schon eine Veränderung, die durchzusetzen ist und da gilt es anzusetzen und auch die Führungskräfte mitzunehmen.“

Weitere Informationen über:

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„Endlich ein Partner an der Seite, der mir hilft, meine Rechte gegenüber der Pflegekasse auch durchzusetzen. Sie haben mir beim Widerspruchsverfahren bei der Durchsetzung der Pflegestufe mit Rat und Tat zur Seite gestanden.“

Lotte R., Düsseldorf

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