Immer mehr Menschen müssen Beruf und Pflege vereinbaren – Eldercare ist eine wachsende Herausforderung

  • Jeder 10. Deutsche hat einen Pflegefall oder eine hilfsbedürftige Person in der Familie
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik
  • Heute gibt es 2,5 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland, im Jahr 2040 werden es 5,0 Mio. sein
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik
  • Zwei Drittel der Angehörigen pflegen Ihre pflegebedürftigen Angehörigen selber
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik
  • 30 Prozent der pflegenden Angehörigen reduzieren Ihre Arbeitsstunden
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik
  • Jeder 6. pflegende Angehörige gibt seinen Beruf auf
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik
  • Chronische Krankheiten und Leiden sind bei pflegenden Angehörigen um 51% höher als im Durchschnitt der Bevölkerung
    Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik

Heute gibt es in Deutschland 2,5 Mio. Pflegebedürftige, hinzu kommen 1 Mio. demenzkranke Menschen sowie 1,5 Mio. Hilfsbedürftige. Damit hat jeder 10te Deutsche eine pflege- oder hilfsbedürftige Person in der Familie. Diese Zahlen werden sich in den nächsten 30 Jahren verdoppeln (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Ein Pflegefall in der Familie verursacht immer eine Belastung – besonders für Berufstätige. Zwei Drittel der Deutschen pflegen Ihre Angehörigen in der häuslichen Umgebung und werden bei einer langfristigen Pflege oft aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen selber zum Pflegefall. Dadurch wird das Thema Eldercare dramatisch an Bedeutung gewinnen.

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Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bzw. Eldercare belastet Mitarbeiter und Arbeitgeber

Auswirkungen auf Mitarbeiter:

1. Emotionale Belastung durch Konflikt aus Verantwortung gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen und der Unterbringung im Heim oder Nutzung von Pflegedienstleistern
2. Zeitliche Belastung durch Koordination der Pflege mit Ärzten, Kassen und Pflegeanbietern oder durch direkte Betreuung und Pflege von Angehörigen
3. Finanzielle Belastung durch Eigenanteil an den Pflegekosten mit Versorgungsverpflichtung für Angehörige im Bedarfsfall

Auswirkungen auf Arbeitgeber:Eldercare - Folgekosten

1. Die Kostentreiber mangelnder Vereinbarkeit von Beruf und Pflege auf Arbeitgeber sind vielfältig, Präsentismuskosten sind mit 47,3 % am größten
2. Die durchschnittliche Höhe betrieblicher Folgekosten beträgt pro betroffenem Mitarbeiter 14.154,20 Euro jährlich
3. Ein Arbeitgeber mit 700 Beschäftigen hat durchschnittlich 70 betroffene Mitarbeiter und trägt ohne Maßnahmen zum Thema Eldercare Kosten von 1 Mio. jährlich (Quelle: Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik)

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Passende Maßnahmen verbessern die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege bzw. Eldercare

Anders als Kinderbetreuung ist Pflege nicht planbar. Ein Pflegefall tritt in der Regel plötzlich ein – etwa nach einem Schlaganfall oder Herzinfarkt. Zudem lässt sich der Verlauf einer Pflegebedürftigkeit schwer abschätzen. Eine Pflegebedürftigkeit kann nur kurzfristig für ein Jahr, aber auch für den Rest des weiteren Lebens bestehen. Es ist für Betroffene wichtig, flexible Lösungen zu finden, die zur jeweiligen Lebens- und Pflegesituation passen. Mögliche Maßnahmen zur Vereinbarung von Beruf und Eldercare aus Sicht des Arbeitgebers können sein:

Lösungen lassen sich am besten finden, wenn Arbeitgeber das Thema Eldercare innerbetrieblich offen kommunizieren. Aufklärung und Enttabuisierung sind die grundlegenden Aspekte einer pflegesensiblen Personalpolitik. Sie markieren die ersten Schritte innerhalb einer strategischen Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Von vielen Maßnahmen, wie z.B. den Möglichkeiten zur Arbeitszeitflexibilisierung, profitieren pflegende Beschäftigte gleichermaßen wie Beschäftigte mit Kindern. Das heißt aber noch lange nicht, dass Pflegende sich trauen, diese Angebote für sich in Anspruch zu nehmen. Neben der offenen Kommunikation ist daher die Sensibilisierung der Führungskräfte ein wichtiger Baustein einer pflegesensiblen Unternehmenskultur.

Ohne Lösungen zur Förderung der Angehörigenpflege müssen Arbeitgeber die Folgen einer Überlastung in Form von Arbeitsausfällen, vermehrten Krankheitstagen und geringerer Produktivität tragen und laufen Gefahr, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz zu verlieren. Je schneller Beschäftigte tragfähige Pflegearrangements finden, desto eher und unbelasteter können sie sich auf ihre Berufstätigkeit konzentrieren. Es liegt daher durchaus im Eigeninteresse von Arbeitgebern, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege aktiv zu unterstützen.
Eine erste Hilfestellung bietet unsere Checkliste für Arbeitgeber.